Autor Thema: homegrown  (Gelesen 3615 mal)

truerasp

  • Gast
homegrown
« am: 27. April 2007, 14:07:43 »
ok, dann teile auch ich mal meine Geschichte mit euch. viel spass beim lesen.

... sie ist bisschen laenger als einiges das ich bisher gelesen habe und sie faengt auch bisschen frueher an. vielleicht bin ich doch auch aelter als der ein oder andere hier.

meine story faengt sogar noch vor dem c64 an ... unglaublich. der war damals sogar noch nicht einmal in sicht. an meinem gymnasium gab es eine amateurfunk AG in der ich erste zaghafte begegnungen mit elektronik machte. irgendwie fehlte mir mit 12 noch die physik um das zu verstehen was da so abging und zwischenzeitlich zeichnete sich ab dass es da auch eine neue form von elektronik gab die digital war und bei der einiges einfacher wurde weil es nur strom oder kein strom gab. eine vorstellung die in den vorlesungen zur technichen informatik und rechnerarchitektur wieder demontiert werden sollte aber fuer den anfang liess sich das erstmal ganz gut an.

das erste vage interesse war geweckt und ich begann meinem dad auch wegen solche komischer dinge wie computer in den ohren zu liegen. so aus dem hause sinclair purzelten irgendwelche loetbaukaesten. commodore kuendigte den VC 20 an und irgendwann wars dann weihnachten so weit und ich fand einen TI99/4A unterm weihnachtsbaum. nunja. BASIC und paar faxen auf steckmodulen und sogar ein bandlaufwerk mit klassischen audiocasetten gabs bald nach. das 5,25" floppy- laufwerk habe ich wegen der dafuer aufgerufenen 8.000,- mark aber nie gekauft.

der TI war nicht so bunt und auch nicht so toennend wie der C64 und weil zocken halt auch dazu gehoert stieg ich dann irgendwann mal um ...
spaeter als ich mehr ahnung hatte habe ich dann langsam kapiert dass das vielleicht gar nicht so schlau war, weil der TI von anfang an ein 16 bitter war und auch kraeftig weiter wuchs, waerend der c64 dann irgendwann mal an seiner grenze war. im uebrigen habe ich meinen TI 99 noch, den C64 aber nicht mehr.

als diese grenze der c64 aera erreicht war, war ich leider etwas zu frueh dabei. amiga und atari ST waren noch nicht wirklich greifbar und ich stieg auf PCs um. als dann tatsaechlich die advanced homecomputer kamen war ich ein bisschen frustriert aber was solls. dafuer wurde an dem pc von anfang an gebastelt. in der ersten ausstattung war es ein 8086 mit 128 kb RAM und zwei diskettenlaufwerken. auf dem einen war das dos und auf dem anderen was auch immer. und eine herkules grafikkarte.

programmiert habe ich das ganze seinerzeit unter turbo pascal und auf der grafikkarte jedes bit einzeln umgedreht. der hersteller von pc usw. zenith setzte damals auf bernstein als bildschirmfarbe und die herkules hatte eine viel groessere aufloesung als irgendwelche bunten cga karten ... aber halt monochrom. das war so in etwa die letzte plattform auf der ich jedes bit einzeln umgedreht habe, wenn ich was programmiert habe. heute solls eher fix gehen.

auf der plattform kam dann aber auch der hang zum schrauben hinzu.

erst mal 512 kB RAM
dann ein bisschen mehr taktfrequenz fuer die cpu 
dann eine 20 MB festplatte
dann 640 kb RAM
dann eine VC20 CPU ...
dann doch eine grafikkarte mit farbe

also wirklich alles was irgendwie ging und finanzierbar war, schritt fuer schritt und selbst geschraubt. Heute bin ich zwar fauler was meine PCs angeht aber meine UNIX hobel werden in wohlwollender erinnerung an diese zeit schritt fuer schritt aufgeborht bis zum anschlag.

dem umstieg auf einen spaeteren Amiga oder ST, die attraktivitaet der plattform ist permanent gestiegen und war richtig cool, versaute dann aber ein praktikum. ich hab in einem halbleiter testlabor der grauen Post gearbeitet ... das vor der telekom ... und durfte damals testsktipte fuer einen logiktest erstellen. da das ziemlich stupide ist habe ich den weg gewaehlt das ganze in prolog zu schreiben und die testskripte automatisch zu erzeugen. vorne kommt die logikfunktion rein die ein chip machen soll und "hinten" ein script raus das die funktion ueberprueft. zielplattform war ein 68k basierendes testsystem unter sinix von Siemens und ein Micro VAX / OpenVMS basiertes System von Schlumberger. die Sinix kiste war irgendwie zwei kuehlschraenke grosz und in einen testtisch eingebaut und die schlumberger maschine fuellte eine komplette schrankwand in dem labor.

vermutlich ist der laborleiter von damals schuld an meinem hang zu unix. immerhin hat er mich als planlosen schueler auf das grosse eisen gehetzt.

das wars dann irgendwie mit amiga und co.. ich hab mir zwar im zivieldienst nochmal nen a500 gegoennt aber eigentlich nur zum zocken. programmiert habe ich weiter auf meinem pc denn turboprolog lief auch darauf. cool ... ich wusste ja nun wo es hingeht. zu der zeit hab ich dann die einschlaegigen fachmagazine, allen voran die 68000er abgegrast um irgendwie rauszukriegen wie man an so ein richtiges unix kommt. kleiner dummer junge vom dorf hat irgendwie kein plan und weiss nur wo er hin will aber keinen schimmer von der richtung. bis heute ziert ein 68000er sonderheft von damals mein regal, wo so einige traumkisten drin aufgefuehrt waren die den weg ueber die homecomputer hinaus markierten. z.b. die 68040 kiste von gephard usw.

dann kam das studium und mit ihm RS6000 AIX ... eine grosse ksite mit 32 studenten xterminals ... ich hab vergessen was es war und zwei semester spaeter dann hp 9000/300 systeme die mit HP-UX 7.x daher kamen. drumherum standen noch einige Apollo Domains, wie der workstation laden hiess, den HP seinerzeit gekauft hat um die eigene workstationtechnologie auf den boden zu bringen und was ja schliesslich in den baureihen 300/400 muendete.

spaetestens jetzt war ich angefixt. das war 1991. unix liess mich engueltig nicht mehr los.

nebenbei fand ich es ganz commod meinen pc mal wieder rundzuerneuern ... eine evolutionsstufe hab ich glaub vergessen, aber egal ... udn bin auf den 386er zug aufgesprungen. das gelegentliche aufruesten war schon lange zur gewohnheit geworden und dann drang so ganz langsam dieses Linux an mein ohr. Linus hatte sein studentenwohnheim verlassen und irgendwem von seinem system erzaehlt und ganz langsam machte das die runde. www gabs irgendwie noch nicht so richtig, das war bestenfalls gerade am entstehen. jedenfalls rumorte es bei uns an der uni. die RS6000 war mittlerweile uninteressant geworden, weil dann doch zu viele leute drauf arbeiteten und entsprechend viele restriktionen herrschten und die hps waren staendig ausgebucht. zwischenzeitlich kamen die suns in mode und beschaeftigten eine weile ... gerade weil seinerzeit einige solbournes in der uni auftauchten die vier cpus hatten ... spektakulaer.

aber irgendwie wollte man so ein unix auch endlich zu hause haben, root sein und alles tun und lassen duerfen was geht. als mit slackware irgendwann die erste distribution handhabbar wurde packte ich mir die auf die drei disketten und schleppte das zeug nach hause. ungelogen. alles was man brauchte waren drei disketten. da passte alles drauf.

seit dem laeuft bei mir zu hause im wesentlichen unix. 1994 startete ich ein praktikum  bei hp, aus dem ein werksstudenten verhaeltnis wurde. die erste maschine auf der ich root war, ebenfalls mit einem 7er hp-ux war eine 9000/710. Ca. 96 gab es dann die erste maschine, eine 715/60, nach hause weil ich ein paar ueberstunden hatte, die anders schwierig abzurechnen waren. dieser folgte dann eine 712 und eine 735 ... und damit war das eis gebrochen.

zwischenzeitlich habe ich mir mit dem NeXT einen echten traum erfuellt und meine HP hardware ist nicht nur beruflich zur passion geworden. sun bin ich auch nach dem studium eine weile treu geblieben und sgi hat mich mit seinem IRIX auch lange interessiert. aber irgendwann wurde es dann echt zwingend sich ein wenig zu konzentrieren und so beschaeftige ich mich heute vor allem mit hp-ux und linux. spaetestens in den drei jahren, in welchen ich fuer hp auf der cebit taetig war, hatte ich dann hemmungslosen zugang zu richtig grossem eisen. in der uni hatten wir zwar eine convex aber darauf als student rechenzeit zu kriegen war in den meisten faellen utopisch. convex wurde von hp geschluckt und mit den exemplars / V klassen (SCA cluster) hatte ich dann 5 jahre spaeter meine eigene, wenn auch nur fuer ein paar wochen.

gut ... frau und kinder haben dann irgendwann wieder windows nach sich gezogen und ich habe mich vom unix- only traum wieder verabschiedet, aber gerade dem ubuntu- projekt gehoert mein herz weil sie eben auch an solche menschen denken die mich immer wieder zu windows hin noetigen. debian liegt als ubuntus wurzel nauerlich vorne und auch oder vor allen dingen weil es die mutter aller linux portierungs bemuehungen auf PA-RISC ist.

obwohl man denken koennte dass meine fruehe naehe zu hp der grund ist: PA-RISC gehoert mein herz, weil es meiner meinung nach eine faszinierende architektur ist, die vieles richtig macht was andere irgendwo versauen. man sieht an der stelle einiges was die risc paepste und vaeter der einschlaegigen architekturen von jeher gelehrt haben. im uebrigen auch einer der gruende warum der power-pc recht gelungen ist. aber mein einziger powerpc tickt in einem ibook unter ubuntu. eine andere cpu die hier wohl wegweisend war und an die ich aus genau diesen gruenden immer noch einmal gerne hand anlegen wuerde ist der 88000, auf dessen basis immerhin motorola mal eine modulare systemarchitektur aufgebaut hatte. ansonsten tickert das zeug ja wohl eher in telefonanlagen und aehnlichem.

heute teile ich mir mit einigen kollegen die verantwortung fuer eine ganze reihe von hp superdomes, kleineren hp-ux systemen und eine grosse dreistellige anzahl an linux instanzen. auch wenn ich beruflich einen grossen ausflug in den bereich der aktiven netzwerkkomponenten gemacht habe, ist unix einfach das dominierende thema, zumal auch zusehends auf switches und routern zumindest unixartige systeme laufen.


vielleicht nimmt jemand die ein oder andere anregung mit raus und hatte freude beim lesen. jedenfalls kam ich so zu unix.
« Letzte Änderung: 27. April 2007, 15:34:57 von truerasp »

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homegrown
« am: 27. April 2007, 14:07:43 »

Offline töfte

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Re: homegrown
« Antwort #1 am: 27. April 2007, 18:04:17 »
Hmm, immer wieder schön die Stories zu lesen  :)
Aber mal im ernst: du müßtest schon ungefähr 15 Jahre älter als ich sein, denn die alten HP 300/400er Maschinchen mit denen ich mich beschäftige sind ja wie gesagt aus einer Zeit in der ich noch in der Grundschule das kleine Einmaleins lernte   ;D
Aber nun auch eine Frage: was genau macht PA-Risc richtiger als alle anderen Architekturen ? Vielleicht hab ich im letzten Semester ja nicht aufgepaßt, aber grob gesagt funktionieren doch alle Risc's nach dem Load-Store-Prinzip, oder ?
> uname -srp
SunOS 5.10 i386

truerasp

  • Gast
Re: homegrown
« Antwort #2 am: 27. April 2007, 20:00:03 »
Aber mal im ernst: du müßtest schon ungefähr 15 Jahre älter als ich sein, denn die alten HP 300/400er Maschinchen mit denen ich mich beschäftige sind ja wie gesagt aus einer Zeit in der ich noch in der Grundschule das kleine Einmaleins lernte   ;D

tja, das kann ja schon hin kommen ;)

Aber nun auch eine Frage: was genau macht PA-Risc richtiger als alle anderen Architekturen ? Vielleicht hab ich im letzten Semester ja nicht aufgepaßt, aber grob gesagt funktionieren doch alle Risc's nach dem Load-Store-Prinzip, oder ?

na mit load and store isses ja ned getan.
so ein paar dinge die du da betrachten kannst sind :

* skalaritaet
* pipelining
* pipeline tiefe
* kritische pfad laenge
* branch prediction algorithmen / speicher
* kosten fuer kontext store und restore

und endlos viel mehr

so grob gesagt alles was in den beiden baenden hennesy petterson drin steht ?