Hmm, die Diskussion ist zwar schon ein paar Tage alt, aber ich mag sie nicht so stehenlassen:
Ja, man kann über die Firmen, die WikiLeaks die Kanäle abdrehen, geteilter Meinung sein, aber mal bei Licht betrachtet:
Jedes Unternehmen würde in seinem Heimatland Geschäftsverbindungen mit Kunden lösen, die offen gegen dort geltendes Recht verstoßen oder zumindest ganz stark diesen Anschein erwecken. Natürlich kann sich auch im "Land of the Free" nur was ändern, wenn auch mal ein paar Schwergewichte Flagge zeigen - aber da gilt das Champignon-Prinzip: Wer den Kopf zuerst hochsteckt, läuft Gefahr, unter den Rasenmäher zu kommen...
Hätten wir hier in DE eine Organisation, die sich im Veröffentlichen von Regierungsgeheimnissen übt und deswegen unter Strafverfolgung steht, so wäre auch manch deutsches Unternehmen gezwungen, die Verbindung mit dieser Organisation zu lösen. Da WikiLeaks bislang im wesentlichen die US-Regierung geschädigt hat, und diese in der jüngeren Geschichte wenige Gelegenheiten ausgelassen hat, sich unbeliebt zu machen, ist ein gewisses Sympathiepotenzial sicherlich gegeben. Der Boykott von Firmen, die WikiLeaks ihrerseits boykottieren (müssen) dürfte allerdings vergleichsweise wenig bewegen.
Ich für meinen Teil habe deutlich mehr Freude daran, die bekanntgewordenen Informationen nicht nur zu studieren sondern auch wo immer angebracht schön breitzutreten. Da kommen Schoten bei raus, gegen die mancher von George Dabbeljuhs "Schurkenstaaten" fast wie ein Musterschüler dasteht. Und ich mag keinen von denen in Schutz nehmen...
Wenn Ihr also wen boykottieren wollt - klar, nur zu, aber bitte mit einer Begründung, die auch sachlich nachvollziehbar ist (Softwarepatente find ich da durchaus einsichtig, zweifelhafte Abmahnpraxis wäre auch so ein Stichwort wo ich rot sehe) - aber nicht weil sie sich nur mehr oder minder "freiwillig" an für sie geltende Gesetze halten (Ihr würdet staunen, was für einen Senf an möglichen und unmöglichen Gesetzen amerikanische Unternehmen beachten müssen - leider ist auch bei der Gesetzgebung das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" wörtlich genommen worden).
In diesem Sinne - morgen ist Weihnachten

(und beim gegenwärtigen Zustellungsstau könnt Ihr jetzt _jeden_ Online-Händler boykottieren - es hilft nur noch der Laden vor Ort falls noch was fehlen sollte!)
LG
Jerry